Sarkopenie im Alter: Muskelkraft und Alltagsfunktion gezielt fördern
Mit zunehmendem Alter kann die Muskelkraft nachlassen. Treppensteigen wird anstrengender, das Aufstehen vom Stuhl fällt schwerer und der Gang wird unsicherer. Eine mögliche Ursache ist die Sarkopenie – ein fortschreitender Verlust von Muskelkraft und Muskelmasse, der die Mobilität und Selbstständigkeit beeinträchtigen kann.

Muskelschwäche muss nicht einfach hingenommen werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass gezieltes Krafttraining und eine bedarfsgerechte Ernährung die Muskelgesundheit auch im höheren Lebensalter positiv beeinflussen können.
Was ist Sarkopenie?
Sarkopenie ist eine fortschreitende Erkrankung der Skelettmuskulatur, die mit einem Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse beziehungsweise Muskelqualität einhergeht. Nach dem europäischen Expertenkonsens EWGSOP2 gilt eine verminderte Muskelkraft als wichtigstes erstes Anzeichen (Cruz-Jentoft et al., 2019). Eine verringerte Muskelmenge oder Muskelqualität bestätigt die Diagnose. Liegen zusätzlich Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit vor, wird die Sarkopenie als schwer eingestuft.
Neben dem Alter können unter anderem Bewegungsmangel, Erkrankungen, längere Immobilität sowie eine unzureichende Energie- und Proteinzufuhr zur Entstehung oder Verschlechterung einer Sarkopenie beitragen. Mögliche Folgen sind Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen, eingeschränkte Mobilität und ein erhöhtes Risiko für Stürze und weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Wie können Krafttraining und Ernährung die Muskelgesundheit unterstützen?
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass individuell angepasstes Krafttraining ein wichtiger Baustein im Umgang mit Sarkopenie ist. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 24 Studien und insgesamt 951 älteren Menschen mit diagnostizierter Sarkopenie untersuchte unterschiedliche Krafttrainingsprogramme. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass gezieltes Krafttraining insbesondere die Muskelkraft und die körperliche Funktion verbessern kann. Die Effekte auf die Muskelmasse fielen weniger deutlich aus (Yan et al., 2025).
Ergänzend können Gleichgewichts- und Koordinationsübungen sowie alltagsnahe Bewegungen wie das Aufstehen vom Stuhl oder Treppensteigen sinnvoll sein. Sie greifen Fähigkeiten auf, die für Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag wichtig sind.
Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Proteine liefern Bausteine für den Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von acht Studien mit insgesamt 854 älteren Menschen mit Sarkopenie untersuchte die Kombination aus Proteinergänzung und Krafttraining. Die Ergebnisse zeigten Verbesserungen der Muskelmasse und Muskelkraft (Whaikid & Piaseu, 2024). Aufgrund der begrenzten Studienlage sollten diese Ergebnisse jedoch vorsichtig interpretiert werden.
Proteinpräparate sind nicht grundsätzlich erforderlich. Entscheidend ist zunächst, den individuellen Energie- und Proteinbedarf ausreichend zu decken. Bei bestehender Sarkopenie, ungewolltem Gewichtsverlust oder Unsicherheiten bei der Ernährung kann eine ärztliche oder qualifizierte ernährungsfachliche Beratung sinnvoll sein.
Training bei Sarkopenie in Köln – mit PUNKT ZU PUNKT
Als Sportwissenschaftlerin mit einem Masterabschluss in Sportgerontologie verbinde ich wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Trainingserfahrung. In meiner Masterarbeit habe ich die Proteinsupplementierung bei übergewichtsbedingter Sarkopenie untersucht und meine Arbeit beim Deutschen Sportärztekongress vorgestellt.
Dieses Wissen lasse ich gezielt in meine Trainingsgestaltung einfließen: Zu Beginn erfasse ich die individuellen körperlichen Voraussetzungen und kann mithilfe standardisierter Testverfahren beispielsweise Muskelkraft, Gleichgewicht und funktionelle Leistungsfähigkeit einschätzen. Auf dieser Grundlage plane ich ein individuell angepasstes Training und passe die Übungen im Verlauf an die persönlichen Voraussetzungen an. Wiederholte Funktionstests können Veränderungen bei Muskelkraft, Gleichgewicht und Alltagsbewegungen sichtbar machen. Ziel ist es, körperliche Fähigkeiten zu fördern, die für Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag wichtig sind.
Das Training kann eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls notwendige medizinische oder therapeutische Maßnahmen ergänzen, ersetzt diese aber nicht.
Cruz-Jentoft, A. J., Bahat, G., Bauer, J., Boirie, Y., Bruyère, O., Cederholm, T., Cooper, C., Landi, F., Rolland, Y., Sayer, A. A., Schneider, S. M., Sieber, C. C., Topinkova, E., Vandewoude, M., Visser, M., & Zamboni, M. (2019). Sarcopenia: Revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing, 48(1), 16–31. https://doi.org/10.1093/ageing/afy169
Whaikid, P., & Piaseu, N. (2024). The effectiveness of protein supplementation combined with resistance exercise programs among community-dwelling older adults with sarcopenia: A systematic review and meta-analysis. Epidemiology and Health, 46, e2024030. https://doi.org/10.4178/epih.e2024030
Yan, R., Chen, Y., Zhang, R., He, J., Lin, W., Sun, J., & Li, D. (2025). Optimal resistance training prescriptions to improve muscle strength, physical function, and muscle mass in older adults diagnosed with sarcopenia: A systematic review and meta-analysis. Aging Clinical and Experimental Research, 37, Article 320. https://doi.org/10.1007/s40520-025-03235-w
